Wann kratzt Wolle?

von urbanfeinestruempfe

Reicht nicht 100 % Baumwolle vollkommen aus?

Nun nach diesem leicht technisch angehauchten Thread werden sich viele Leser fragen was denn den eigentlichen Unterschied zwischen „normaler“ Baumwolle und West Indian Sea Island Cotton, WISIC, ausmacht,
zumal alle beschriebenen Sorten bzw. Handelsmarken zu einer Baumwollgattung, gossypium barbadense, bzw. einem Hybrid (Giza cotton) gehören und sich auf den ersten Blick nur vom Anbaugebiet her unterscheiden.
Ein kleiner Exkurs.

Wolle kratzt dann auf der Haut wenn,
a) die Fasern (Rohwolle) kürzer als 25/30 mm lang und/oder
b) dicker als ca. 22/25 mm sind, je nach Hautempfindlichkeit, oder
c) das Garn nicht gut/sauber versponnen wurde (Verunreingungen wie z.B. Grannenhaare) oder
d) das Garn bei Faserlängen zwischen 10mm und 25 mm nicht veredelt wurde.

Als Beispiel mag Alpacawolle dienen.
Alapaca wird in folgenden Qualitätsstufen angeboten:
Royal <19 Micron
Baby 20-22 Micron
Superfine bis 25.5 Micron
Suri bis 27 Micron
Adult bis 27.5 Micron
Huarizo bis 32 Micron
Llama bis 34 Micron
Coarse 34-36 Micron

Manche Menschen empfinden schon die Qualitätsstufe Superfine, also eine Faserstärke von 22.5 bis 25.5 micron, als kratzig, andere erst die gröberen Fasern, also ab Suri.
Royal und Baby-Alpaca werden von allen Menschen in der Regel als weich oder angenehm auf der Haut empfunden.
Allgemein gilt, dass die Faser umso steifer wird je dicker und kürzer sie ist und so in die Haut pickt statt sich beim Hautkontakt umzubiegen.

Veredelung des Garnes:
Das Baumwollgarn kann man vor dem Spinnen kämmen, um so alle Fasern auszurichten, und ggf. gröbere Fasern wie z.B. bei Cashmere das Grannenhaar oder andere Verunreinigungen wie gröbere, vernisste Fasern zu entfernen.
Man spricht von gekämmt bzw. „combed“ oder „supercombed“, und man kann so ein dünneres Garn bei gleichen physikalischen Eigenschaften spinnen.
Das Garn kann dann anschließend mercerisiert werden: es wird unter Zug durch eine Natronlauge gezogen.
Damit bildet sich ein runder Faserkörper aus, das Garn bzw. seine einzelnen Fasern werden zugfester und es lässt sich leichter färben. Ein Nebeneffekt liegt darin, dass das Garn einen leichten Schimmer bekommt.

Eine weitere Verdelungsstufe ist das Gasieren: das Garn wird durch eine Gasflamme hindurchgeleitet und die herausstehenden Enden werden abgeflämmt.

Dies ist der klassische Herstellungsvorgang für Filo di Scozia, auch Filoscozia genannt, und eine geschützte Handelsmarke des
CENTRO PROMOZIONE FILOSCOZIA – Via Cicognara, 6 – 20129 Milano – Italy:
http://www.filoscozia.it/
http://www.filoscozia.it/tedesco/tedfilato.htm

Um alle Mißverständnisse auszuschließen:
Filoscozia stellt sehr strenge Anforderungen an das Baumwollgarn, damit es dieses Siegel tragen darf und dabei insbesondere auch an die Garnfeinheit:
der Titer muss mindestens Ne 50/2 betragen.
Filoscozia wird in keinem Fall mit kurz- oder mittelstappeliger Rohbaumwolle hergestellt, sondern nur mit lang- oder extralangstapelliger Baumwolle.

Man kann auch Baumwollgarn mit einer (Roh-) Faserlänge von 10 mm bis 25 mm mittels Mercerisierung und/oder Gasierung soweit veredeln, dass es nicht mehr auf der Haut kratzt und als angenehm empfunden wird.
Sea Island Cotton, gleich welche Sorte, hat aber in jedem Fall weit längere und weit dünnere Fasern, die Extra Long Staples (ELS) von bis zu 55 mm so dass er nie kratzen kann.
Sieht man von ausgesuchten Ballen der Sorte Giza 45 ab, so ist West Indian Sea Island Cotton, WISIC, mit einem Mircronairewert von 3.0 bis 3.2 die feinste Rohfaser aller Sea-Island-Sorten und mit einer Stapellänge (ELS) bis 55 mm in jedem Fall aber die längste aller Sea-Island-Cottons.
Daneben besitzt WISIC, nicht zuletzt durch die Ernte per Hand, eine reinweisse Farbe: Billiant White,
und wie die englische Bezeichnung bereits aussagt eine sagenhafte Brillianz!
Vom Griff her ist WISIC viel weicher als Cashmere und besitzt trotzdem eine große Eigenstabilität und kann bis zu 65 % seines Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen.

 

 

SPOERRY Garnübersicht

 

Anhand der Produkttabelle von SPOERRY 1866 kann feststellen, dass deren WISIC-Garn unheimlich fein ist, bis zu NM 220 (1 kg Garn ist 220.000m lang).
Daher ist diese Firma, nicht zu zuletzt aufgrund ihrer Erfahrung seit 140 Jahren – personifiziert in Peter Spoerry, dem CEO der Firma, die beste Spinnerei der Welt für WISIC.

Logischerweise kann man mit solch unglaublich dünnen Garnen sehr feine, aber dennoch blickdichte Stoffe mit einem samtartigen Glanz weben.
Ebenso lässt sich damit sehr dünne und weiche Unterwäsche stricken – weit feiner und weicher wie z.B. Baumwolle- und Seidengemisch.
Selbst bei einem Piqué-Shirt, das ja bekanntlich etwas „rauh“ gewebt ist, merkt man beim Tragen, auch nach mehreren Wäschen, sehr deutlich den Unterschied auf der Haut.

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